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Ein Tag auf der Intensivstation in Covid-19-Zeiten

Patient*innen auf der Intensivstation sind in der Regel schwer krank, instabil und ihr Krankheitsverlauf ist meistens unberechenbar. Ihre Betreuung erfordert ein hohes Mass an Einsatzbereitschaft,  Flexibilität und Teamarbeit. Covid-19 stellt die Intensivstation vor zusätzliche Herausforderungen, sowohl in organisatorischer als auch in medizinischer und pflegerischer Hinsicht. Ein Einblick – und ein Appel.

«Der Frühdienst beginnt auf der Intensivstation um 7:00 Uhr mit einem Übergaberapport, bei dem alle Patient*innen kurz vorgestellt werden. Die Intensivmedizin des Claraspitals verfügt über acht Plätze auf der ICU und vier Plätze auf der IMC. 1 bis 4 Plätze sind zurzeit bei Bedarf für Covid-19-Patient*innen reserviert, die in einem speziell abgetrennten Bereich isoliert werden. Die Isolation der Covid-Patient*innen bedeutet einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand, da Pflegende aus dem Covid-19-Bereich nicht ohne weiteres in den regulären Bereich wechseln können.

Wer ein Covid-Zimmer betreten will, muss sich zuvor umkleiden: Haube, Mundschutz, Überschürze, Handschuhe, Gesichtsschild und eine gründliche Händedesinfektion. Da die Zonen nicht dauernd gewechselt werden können, richten wir die Medikamente vorab und fragen nach, ob noch etwas fehlt, das wir hineinbringen können.

An diesem Tag ist alles anders. Eine Patientin mit Covid-19 hat sich über Nacht respiratorisch sehr verschlechtert, sodass sie gleich zu Schichtbeginn auf den Bauch gelagert werden muss. Für die Bauchlagerung benötigt man 4–5 Personen (Ärzt*innen und Pflegende), um die Umlagerung von der Rücken- in die Bauchlage sicher durchführen zu können. Der Sinn einer Bauchlagerung ist die bessere Belüftung bei einer schweren Schädigung der Lunge.

Zur Vorbereitung wird das Gesicht in eine gepolsterte Schale gelegt, Mund und Nase werden abgesaugt und alle Zugänge (Katheter, Drainagen und sonstige Schläuche) gesichert. Die Patientin wird tief sediert und relaxiert, was häufig einen kurzfristigen Einbruch des Kreislaufs zur Folge hat. Die entsprechenden Medikamente müssen deshalb parat sein. 

Die Relaxation unterbindet die willkürliche Muskeltätigkeit, sodass die Patientin nicht mehr husten und gegen die Maschine atmen kann. Ein*e leitend*e Ärzt*in sichert die Atemwege, dann wird die Patientin zunächst um 90° gedreht und anschliessend in Bauchlage gebracht. Sämtliche Leitungen werden geordnet und Lagerungskissen platziert, um Druckstellen zu vermeiden. Ziel ist es, die Patientin 12–16 Stunden in dieser Position zu beatmen. Die Aktion ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Wir benötigen dafür ca. eine Stunde. 

Inzwischen geht der «Normalbetrieb» weiter. Nach einem gesonderten Einzelrapport werden auf der ICU Medikamente gerichtet, neue Patient*innen begrüsst und eine ausführliche Antrittskontrolle durchgeführt. Dabei werden die Einstellungen der Überwachungseinheiten, Infusions- und Medikamentenprogramm überprüft, die Patient*innen werden untersucht und der Tagesplan festgelegt. Danach folgt die Körperpflege und Mobilisation, wobei wir immer die individuellen Befindlichkeiten der Patient*innen berücksichtigen. 

Von 8:30 bis 10:30 Uhr finden die Arzt- und anschliessend die Infektiovisite statt. Dabei werden die Patient*innen ausführlich besprochen, Therapie, Diagnostik und Verlegungen festgelegt. Nach einer kurzen Kaffeepause wird die Verlegung gewisser Patient*innen vorbereitet, bei anderen neue Leitungen gelegt oder diagnostische Massnahmen wie CTs oder Endoskopien durchgeführt und die Betten für geplante Neueintritte aus dem OP vorbereitet. 

Während die ersten Patient*innen verlegt werden, kann bereits der erste Patient aus dem OP geholt werden. An diesem Tag kommen insgesamt 4 OP-Patient*innen. Sie werden an die Überwachung angeschlossen, alle Leitungen sortiert, Drainagen und Verbände kontrolliert. Manche Patient*innen sind in der Aufwachphase sehr unruhig oder klagen über starke Schmerzen. Fast alle postoperativen Patienten erhalten zu Beginn eine nicht-invasive Atemtherapie mit einem Beatmungsgerät, um Atelektasen und Pneumonien zu verhindern. 
 
Die Patientin im Covid-Bereich hat sich inzwischen erfreulicherweise respiratorisch deutlich verbessert, allerdings sind die Fusspulse nur noch schwer zu finden. Die Ärzt*innen kommen ans Bett, um die Situation zu beurteilen. Da das Problem mit der Umlagerung zusammenhängen könnte, wird entschieden, die Patientin sofort wieder zurückzulagern. Für diese Aktion braucht es wieder drei Pflegende zur Verstärkung. Die Umlagerung verläuft problemlos und die Situation verbessert sich zum Glück. Trotzdem folgen nun weitere diagnostische Massnahmen.

Aufgrund des Besuchsverbotes während Covid-19 ist die Angehörigenbetreuung auf der Intensivstation sehr anspruchsvoll. Wir versuchen alles, damit die Patient*innen mit ihren Angehörigen in Kontakt treten können. Kürzlich zum Beispiel kommunizierte ein Patient am Tubus mit Unterstützung durch die Pflege via Facetime mittels Kopfnickens und Handzeichen mit seiner Familie.

Um 14:00 Uhr folgt wieder eine Visite am Bett. Weitere Patienten aus dem OP treffen ein. Die Frühschicht beginnt zu dokumentieren, um 14:45 Uhr erhält der Spätdienst den Kurzrapport. Unsere Schicht endet kurz vor 16:00 Uhr, Zeit für eine weitere Übergabe. Die Covid-19-Montur wird abgelegt und im Zimmer entsorgt. Was für eine Wohltat und dann… tief durchatmen.

Unser Appel an alle: Lassen Sie sich impfen, lassen Sie sich boostern, zu Ihrem eigenen Schutz und dem der anderen.»

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